Gerade jetzt im Winter stellt sich wieder einmal die Frage, ob man einen Hund draußen halten kann.

Die zweite Frage ist: Warum möchte ich meinen Hund draußen halten?

Sicher sind einige Rassen für eine Außenhaltung geeignet. Ganz besonders sind das die Schlittenhunde wie z.B. der Husky und auch Herdenschutzhunde wie der Kangal.

So eine Schneehöhle kann auch wärmen!

Ein Musher in Alaska wird wahrscheinlich nicht auf die Idee kommen seine 30 Hunde im Haus zu halten. Auch wer einen Herdenschutzhund zum Aufpassen auf die Schafe hält, wird ihn nicht mit ins Haus nehmen. Er soll ja die Schafe schützen.

Aber davon wollen wir hier ja nicht sprechen. Es geht eher um die Hunde, die in Deutschland draußen gehalten werden. Wenn man gesetzliche Vorschriften, bezogen auf die Größe der Unterbringung und die Pflege des Hundes, einhält, spricht vom Gesetzgeber her nichts dagegen.

Aber ist das wirklich artgerecht für einen Hund?

Ein Hund ist ein Haustier (außerdem ein Rudeltier) und seit Urzeiten der Begleiter des Menschen. Kann er diesem Bedürfnis nachkommen, ist eine zeitweilige Unterbringung außerhalb der Wohnung möglich.

Ein Beispiel: Ein Hund lebt in einer großen Gärtnerei. Tagsüber sind viele Menschen da. Er kann seinem Besitzer folgen und diesen bei der Arbeit begleiten. Bekommt er dann abends noch einen Spaziergang und Beschäftigung, ist die Nacht, die er alleine in einer gut isolierten Hütte an einem trockenen, wind- und regengeschützten Ort verbringt, zumutbar. Auch Hütehunde, die den ganzen Tag mit Ihrem Schäfer über die Wiesen ziehen, werden nicht unter einer Nacht im Freien leiden.

So mancher Wohnungshund, der 8 Stunden am Tag zu Hause auf Frauchen oder Herrchen wartet, bis diese von der Arbeit zurück kommen, wäre vielleicht lieber, bei entsprechend großzügiger Unterbringung, im Garten, wo er wenigstens mal einen Vogel oder ein Eichhörnchen sieht.

Hat man mehrere Hunde, ist eine zeitweilige Unterbringung außerhalb des Hauses eigentlich kein Problem, da die Hunde sich auch untereinander beschäftigen können und nicht unter Einsamkeit leiden. Dies entbindet den Besitzer natürlich nicht davon, sich mit ihnen zu beschäftigen. Einen oder mehrere Hunde draußen zu „parken“, sie mit Futter und Wasser zu versorgen und nur bei Lust und Laune mal rauszuholen, ist nicht tolerierbar.

Ein Hund ist kein Fahrrad!

Schafft man sich ein Tier an, ist man für sein Wohlergehen bis an dessen Lebensende verantwortlich. Das gilt auch für seine psychische Gesundheit!

Besonders problematisch wird der Verbleib des Hundes außerhalb des Hauses, wenn Tiere krank sind oder alt oder beides. Der arthrotische Senior zum Beispiel, der bei nasskaltem Wetter draußen bleiben muss, wird mehr unter seiner Krankheit leiden, als ein Vertreter seiner Rasse mit den gleichen Problemen, der die Vorzüge eines Ofens genießen kann.

Außerdem sind einige Hunde aufgrund ihres Haarkleides gar nicht für einen längeren Aufenthalt im Freien geeignet. Ein Vierbeiner, dem es an Unterwolle mangelt, wird ab Herbst in unseren Breiten immer nur frieren, was erstens mit dem Tierschutzgesetz nicht vereinbar ist und zweitens jedem empathischen Gefühl widerspricht. Ein Neufundländer, der sich im Winter vielleicht draußen wohl fühlt, wird im Sommer dankbar sein, wenn er die heißen Stunden an einem kühlen Platz im Haus verbringen kann.

Kommen wir noch einmal auf die zweite, anfangs gestellte, Frage zurück.

Weshalb wollen denn nun manche Menschen ihre Vierbeiner draußen halten? Oft ist es die Angst vor Schmutz und Geruch. Sicherlich wird ein Hund Schmutz und auch seinen Körpergeruch mit ins Haus bringen. Wird aber die etwas höhere Belastung durch Putzen und Waschen nicht mit der Zuneigung des Tieres mehr als ausgeglichen? Heute weiß man aufgrund vieler wissenschaftlicher Untersuchungen, dass ein Hund deutlich mehr „Nutzen“ bringt, als er Arbeit macht. Gerade die enge Beziehung, die sich beim täglichen Umgang mit dem Tier entwickelt, wirkt sich sehr positiv auf uns Menschen (und auch auf den Hund) aus. Das funktioniert aber nicht, wenn der Hund den größten Teil des Tages in einem Zwinger verbringt.

Manchmal sind es Familienangehörige, die aus vielen Gründen den Hund nicht im Haus haben  wollen. Der Einzelne sollte dann gut überlegen, ob er nicht lieber mit Tierschutzhunden täglich Gassi geht, als einem Vierbeiner zuzumuten, dass er draußen allein sein Dasein fristet. Der Besitzer wird auch einmal krank: Wer kümmert sich dann? Die Personen, die das Tier sowieso ablehnen? Besser man ändert zuerst die Lebensumstände, so dass eine vernünftige Hundehaltung möglich ist.

Fazit:

Es spricht grundsätzlich nichts dagegen, dem Hund draußen einen Platz einzurichten, wenn er von der Rasse her bei einem etwas längeren Außenaufhalt nicht leidet. Die Dauer des Aufenthaltes an diesem Platz richtete sich auch danach, ob man einen oder mehrere Hunde hat. Bekommen die Hunde viel Zuwendung und Beschäftigung ist ein zeitweiliges Verbleiben an einem für sie sorgfältig eingerichteten Ort kein Problem. Kann dies alles nicht gewährleistet werden, muss man sich die Frage stellen, warum man überhaupt einen Hund hält. Das Argument: „Das war bei uns schon immer so!“ sollte dann vielleicht doch noch einmal überdacht werden.