Haben Sie schon einmal einen Windhund im vollen Lauf gesehen?

Kaum jemand kann sich dieser Faszination entziehen. Schnell wie der Wind – so sind sie!

Trotzdem sind nicht alle Hundefans auch gleichzeitig Windhundfans. Dem einen sind sie einfach zu dünn, anderen sind sie zu schwierig und manche behaupten, dass diese edlen Tiere dumm wären.

Um diese Argumente zu entkräften, muss man ein bisschen über ihre Geschichte wissen.

Woher stammen unsere heutigen Windhundrassen?

Der Windhund ist von Haus aus ein Jagdhund. Seine Heimatorte sind vielfältig. Da sind die Türkei, der Iran, der Irak, Saudi Arabien, Afghanistan, aber auch die Kelten besaßen Windhunde. Seine Geschichte geht nachgewiesen bis auf 4000 v. Chr. zurück. Vielleicht ist die Rasse noch älter. In Afghanistan war er sogar so kostbar, dass er nicht ausgeführt werden durfte.

Oft hing das Überleben einer Nomadenfamilie von Jagderfolg ihres Hundes ab. Entsprechend wurde dieser Hund gewertschätzt. Sogar bei den Muslimen ist dieser Hund rein. Er durfte an der Tafel des Herrn sitzen und sein Lager teilen.

Warum ist er denn so extrem dünn?

Er musste schnell sein. Eine Gazelle zu fangen, ist nicht einfach. Es wurde also ein leichter Hund benötigt, der aber über genügend Kraft verfügt, dem Wild zu folgen und es zu erlegen. Je nach Verwendung ist ein schmaler (Langstrecke) oder ein kräftiger (Kurzstrecken, Jagd auf großes Wild und Wölfe) Hund von Nöten. Ein gesunder Windhund ist immer dünn, damit Herz, Gelenke und Sehnen nicht durch Übergewicht strapaziert werden.

Diesen Satz musste sich eine Windhundhalterin beim Spaziergang von einem entgegenkommen Passanten anhören: „Ja, mei! So viele Hunde und kein Geld zum Füttern!“

Man muss dem Passanten zu Gute halten, dass er sich um die Gesundheit der Hunde Gedanken gemacht hat. Das ist nicht immer selbstverständlich.

Ist der Windhund schwierig?

Windhunde sind sanfte, stolze Wesen, was auf Grund ihrer Geschichte nicht verwundert. Im Haus (Zelt) sollte der Hund nicht auffallen. Er wurde nicht zur Verteidigung benötigt. Windhunde jagen auch ohne Meute. Deswegen mussten diese Hunde sehr selbstbewusst sein und eigene Entscheidungen treffen. Es war ja niemand da, der helfen konnte, schon gar kein Mensch. Vielleicht macht ihn das so „schwierig“.

Windhunde sind dumm?

„Dumm“ ist eine sehr menschliche Bewertung und wird auf die verschiedensten Tiere angewendet: das dumme Schwein, die dumme Kuh. Heutzutage weiß man, dass diese Vierbeiner alles andere als dumm sind. Bloß, weil ein Hund sich nicht mit Strenge abrichten lässt, Unterordnung „doof“ findet oder keinen Spaß am Discdogging hat, ist er nicht dumm. Windhunde sind eine sehr ursprüngliche Rasse. Über Jahrtausende waren sie Jagdhelfer. Als das nicht mehr möglich war, wurden Hunderennen und Coursing erfunden, um sie auszulasten. Eine Zucht auf gemeinsame Arbeit mit Menschen erfolgte nie. Das war auch nicht nötig.

Wer einen Windhund besitzt, hat ein anderes Verhältnis zu seinem Hund. Dieser Hundebesitzer erfreut sich an der Schönheit (in seinen Augen) und der Sanfheit des Tieres. Was die Haltung nicht ganz so einfach macht, ist die nötige Auslastung des Langstreckenläufers oder Sprinters. Gegen Hunderennen oder Coursing ist nichts zu sagen, so lange sie ein Hobby sind und nicht von, Geschäfte machenden, Buchmachern begleitet werden.

Ist das nicht möglich (z.B. bei Hunden aus dem Tierschutz), ist ein eingezäunter Windhundauslauf sinnvoll. Aber er sollte sehr groß sein! Auch ein Irish Wolfhound oder der schnelle Greyhound müssen ihre Beine mal strecken können. Spazierengehen oder Radfahren reicht auf die Dauer nicht aus. Eventuell als Reitbegleithund wäre eine Auslastung möglich. Hier ist es aber schwierig gegen den starken Jagdtrieb anzukommen. Den Hund einfach ohne Leine durch den Wald rennen zu lassen, ist für diesen Vierbeiner wohl artgerecht, ansonsten aber alles andere als sinnvoll.

Wie auch immer, der Windhund ist ein sehr spezieller Hund und damit nicht für jeden Menschen geeignet. Wer sich auf das Wesen einlässt und ihn schätzt, bekommt einen außergewöhnlichen Begleiter.