Die meisten Hundehalter geben gesundheitliche Gründe bei der Kastration (Entfernung der Eierstöcke, manchmal auch der Gebärmutter) an. Sie haben Angst vor Tumoren der Gesäugeleiste (80%) oder möchten die 3 Wochen 2x pro Jahr, in der die Hündin blutet bzw. für Rüden attraktiv ist, nicht mitmachen (60%). Andere Tierärzte machen die Erfahrung, dass die Vereinfachung der Haltung im Vordergrund steht.

Ist das ein Grund einen gesunden Hund zu verstümmeln?

Das ist in der Wortwahl schon etwas drastisch. Das gebe ich zu! Aber es werden hier einem gesunden Hund Organe entnommen. Sind die Gründe dafür zwingend genug?

Die Prozentzahlen zum Risiko, dass die Hündin an Tumoren in der Gesäugeleiste erkrankt, sind sehr unterschiedlich. Da spricht man einseits davon, dass später kastrierte Hündinnen schon ein Viertel des Risikos aller Hündinnen mit Gesäugetumoren haben. Bei Frühkastrierten kann das Risiko um 30% gesenkt werden, überhaupt Gesäugetumore zu bekommen, sagt man. Andere Zahlen sagen, dass alle Hündinnen (egal ob intakt oder nicht) insgesamt sowieso nur max. 1,8% Risiko tragen. Sie sehen, dass die Zahlen je nach Bewertung sehr stark schwanken bzw. im Gesamtbild gesehen werden müssen. Und somit zieht dieses gesundheitliche Argument nicht wirklich, weil das Risiko nicht so hoch ist, wie angenommen.

Die beste Prophylaxe gegen diesen Krebs ist immer noch das Gewicht der Hündin. Besonders im ersten Lebensjahr sollte sie sehr, sehr schlank sein. ist sie da schon zu dick, nützt auch die Kastration nichts. Genauso wichtig ist es auf die „Pille“ zu verzichten. Auch eine zu hohe Proteinzufuhr steht als Auslöser im Raum und hier sprechen wir nicht von Fleisch. Das hat meistens nur um die 20% Protein. Mischt man das Fleisch noch mit Gemüse sinkt der Proteingehalt der Gesamtration weiter.

Kommen wir noch zu den Verhaltensänderung bei der kastrierten Hündin. Also, eine ganzjährig aggressive Dame wird auch weiterhin aggressiv bleiben. Im Gegenteil, hat vor der Kastration das Östrogen noch das Testosteron (das bei der Hündin in der Nebenniere gebildet wird) in Schach gehalten, wird nun das Testosteron alleine wirken und somit die Hündin nicht wirklich sanfter machen. Auch Territorialverhalten wird durch die Kastration nicht beeinflusst, da hier andere Hormonsysteme zum Tragen kommen.

Die anderen Argumente: Blutung und Scheinträchigkeit. Die Blutung sollte heutzutage für keinen Hundehalter ein Problem sein. Es gibt sehr dekorative Höschen für diese Zeit oder die Hündin schleckt es sowieso weg. Die Scheinträchtigkeit bzw. -mutterschaft sind nur ein Problem, wenn die Hündin extrem leidet. Ansonsten vergeht sie wieder und kann so manches Mal mit Homöopathie gut in Griff bekommen werden.

Also kastrieren oder nicht?

Aus Bequemlichkeit die Hündin kastrieren: Nein! Gerade Ängstlichkeit und Unsicherheit können dadurch auf Dauer verfestigt werden. Außerdem haben wir immerhin ein Risiko von 10-15% auf Inkontinenz, Gewichtszunahme, Fellveränderungen und Entzündungen im Bereich der Vulva. Auch ist noch garnicht richtig erforscht, welche Auswirkungen der Hormonmangel wirklich haben kann und inwieweit die Hormonbildung durch andere Organe ausgeglichen wird.

Für die Kastration muss es also wirklich gute Gründe geben! Holen Sie am besten mehrere Meinungen ein, bevor Sie sich entscheiden.